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Christian Kaiser

Silberweide im Auwald

Silberweide und Fruehlings Vegetation im geschuetzten Suesswasser Auenwald NSG Heuckenlock

Wissenwertes und Fotos von Knicks

im Naturschutzgebiet Wittmoor herrschen wie in anderen Moorgebieten extreme Lebensbedingungen, mit denen nur wenige spezialisierte Arten zurechtkommen, wie zum Bespiel neben Torfmoosen verschiedene Heidekräuter. Diese Pflanzen kommen mit dem extrem versauerten und nährstoffarmen Boden gut zurecht. Typische Arten sind die großblütige Glockenheide, die Besenheide und die Moosbeere. Ähnlich gut gedeihen die Wollgräser, die dem Moor im Mai und Juni durch ihre weißen Fruchtstände einen besonderen Reiz verleihen. Die hier gezeigten Fotos sind bei bei einem abendlichen Rundgang Mitte Mai im Wittmoor entstanden. Es ist für mich auch ein sehr persönlicher Rückblick;

Dieses kenne ich seit meiner Kindheit, im Jahr 1966, also vor einem halben Jahrhundert, zu einer Zeit, als noch Sträflinge aus dem Gefängnis Glasmoor zum Torf stechen hier her marschieren mußten. Damals kamen wir Kinder oft an den Wochenenden mit unseren Eltern ins Moor. Vater Dr. Peter Kaiser wußte als „allround“ wald- und moorkundiger Zoologe, wo sich im schwer zugänglichen Gebiet die scheue Kreuzotter in der Sonne wärmte und wo die Rote und Blaue Heidelibellen flogen. Über den Moorwiesen riefen viele Kiebitze, in Kopfweiden hockte der Steinkauz.

Wiedervernaessung im Wittmoor mit fruchtendem Wollgras
Wiedervernaessung im Wittmoor mit fruchtendem Wollgras und im Wasser abgestorbenen Birkenstümpfe
fruchtendes Wollgras im Wittmoor ein Erfolg der Wiedervernässung

Schon ein Jahr später während wir den „Tollundmann“ in Silkeborgs Museum ausgestellt sahen, waren wir froh, mit vereinten Kräften dem finsteren Moor entkommen zu sein.

Außer unserer Familie ging in den 60er Jahren so gut wie niemand ins Moor. Es gab kaum Interesse an der Natur, es war im Nachkriegswirtschaftwunderland einfach nicht angesagt.

So war das Moor eine Art „Terra Inkognita“, keine befestigten Wege, das ganze Gebiet noch unbeschildert. Heute ist es als sogenannter „Geheimtipp“ im Internet zu finden, auch Geo empfiehlt dort eine Wanderung zu unternehmen. Mir begegnen Jogger, Hundehalter, Hobbyfotografen und viele Spaziergänger an einem Wochentag.

Totholz der Baumstamm einer Eiche und Farne im Moorwald im Wittmoor
Sumpfkalla (Calla palustris)
Calla palustris florens
Sumpfkalla Calla palustris

Das Wittmoor (plattdeutsch das weisse moor) liegt im Norden Hamburgs, auf der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein. Vor 30 Jahren wurde das Gebiet unter Schutz gestellt und bald darauf wurde begonnen, das trocken gelegte, abgetorfte Hochmoor wieder zuvernässen. Durch das Anstauen des Moorgrabens entstand der Wittmoorsee. In seinem Wasser starben die Moorbirken seinem Wasser ab, weil ihre Wurzeln nicht unter Wasser stehen mögen.

Die in Norddeutschland typische Moorvegetation mit Torfmoos (Spagnum) und Sumpfkalla und seltenem Sonnentau (Drosera rotundifolia) entwickelte sich schon bald im neu geschaffenen Naturschutzgebiet. Heute ist das Naturschutzgebiet Wittmoor längst ein wertvolles Biotop mit Feucht- und Trockenlebensräumen geworden z.B wie Heide diese sind attraktiv für Insekten, Amphibien und Vögel. Auf trockenen Standorten wächst Glockenheide. Weitere Moore werden aktuell in Norddeutschland durch die Stiftung Naturschutz SH und die Ausgleichsagentur wieder vernässt. Warum dieser Aufwand? Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff CO_2.

Sumpfkalla (Calla palustris)
Wiedervernaessung im Wittmoor mit fruchtendem Wollgras
Wollgras fruchtend
fruchtendes Wollgras

Sommer im Wittmoor mit fruchtendem Wollgras
fruchtendes Wollgras
fruchtendes Wollgras
fruchtendem Wollgras im Wittmoor
Wiedervernässung im Wittmoor mit Sumpfkalla im Moorsee (Calla palustris) u. Binsen
eine Bachstelze hat sich auf einem toten Baumstamm niedergelassen

Die Moor-Birke (Betula pubescens), auch Haar-Birke, Besen-Birke, Glasbirke oder Behaarte Birke, auch Ruch-, Bruchbirke genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie ist charakteristischer Baum (Phanerophyt) der Moor- und Bruchwälder sowie trockenerer Bereiche in Hochmoorkomplexen. Als Pionierbaumart ist sie in der Lage, rasch neu entstandene Lebensräume zu besiedeln. „Durch das wochenlange Stehen des Wassers ohne Abflussmöglichkeit werden Fäulnisprozesse in Gang gesetzt, die dem Wasser den Sauerstoff entzogen haben. Die Bäume sind regelrecht erstickt“,

Pfeiffengras im Wittmoor
Pfeiffengras im Wittmoor vorne mit fruchtendem Wollgras auf der Fläche

Wissenswertes

Naturschutzgebiet „Wittmoor“

Grasfrosch
Grasfrosch (Dr. Hauke Behr)

Das Wittmoor ist der Rest eines ehe­mals ausgedehnten atlantischen Regen-Hochmoores, das in mehreren Jahrtausenden in einer schmalen Tal­rinne, die nach der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren durch Schmelzwasser der Vergletscherung ausgewaschen worden ist. Das Wittmoor wird seit 1938 von der Landesgrenze durchschnitten. Wäh­rend das Moor im Hamburger Teil fast vollständig abgebaut wurde, ist der Torfkörper im etwa 106 ha großen schleswig-holsteinischen Teil noch weitgehend erhalten geblieben. Dieser steht seit 1981 unter Naturschutz. Bereits seit 1978 sind ehrenamtliche Naturschutzhelfer der Loki Schmidt Stiftung aktiv, um das Wittmoor in ei­nen naturnäheren Zustand zu bringen. Heute finden sich hier wieder großflä­chig typische Tier- und Pflanzenarten der Hochmoore.

Das Naturschutzgebiet „Wittmoor“ hat eine herausragende Bedeutung als Lebensraum u.a. für die Große Moosjungfer und umfasst entwicklungsfähige Moorlebensräume, Trockenheiden, Ma­gerrasen, Feuchtwiesen und Bruchwälder. Das Moor ist da­her im Verbund mit dem Glasmoor, dem Ohemoor und dem Nienwohlder Moor Teil des europäischen Netzwerkes „NATURA 2000“ (FFH-Gebiet).

Entstehung

Das Wittmoor liegt in einer eiszeitlichen Rinne, die während der letzten Eiszeit von einer Gletscherzunge ausgeschürft wurde. Später höhlten Schmelzwasserströme das Tal weiter aus und lagerten mächtige Sand- und Kiesschichten ab. Nach dem Abtauen der Gletscher vor 10. 000 Jahren versumpfte die nach Norden und Süden entwässernde, fast gefällefreie Rinne im Bereich der Talwasserscheide. Mit zunehmender Erwärmung breiteten sich auf den nassen Sandböden Bruchwälder aus. Dadurch lief das Wasser noch schlechter ab. Es bildete sich eine Torfschicht, die den Zustrom von Grundwasser einschränkte. Sich aus­breitende Torfmoose überwucherten den Bruchwald und wuchsen über Jahrtausende zu einem mehrere hundert Hektar großen Hochmoor auf.

Hier sind allgemeine Infos zu Mooren:

Bei der Entwässerung der Moore kommt der über Jahrtausende im Torf gebundene Kohlenstoff mit Sauerstoff in Berührung und oxidiert. Damit gelangen nicht nur riesige Mengen CO2 in die Atmosphäre, sondern auch das über 300 Mal klimaschädlichere Lachgas (N2O).

Die gesamte Klimabilanz eines Moores wird daher in CO2-Äquivalenten angegeben, die anteilig alle klimarelevanten Gase enthalten. Intakte Moore geben zwar während ihres natürlichen Bildungsprozesses mit Methan auch ein klimaschädliches Gas ab, in der Summe wirken sie aufgrund der Kohlenstofffestlegung langfristig dennoch positiv auf das Klima.

Nachsatz:

Das hier während der NS Zeit Häftlinge des KZ Wittmoor schuften mußten war uns Kindern damals nicht bewußt. Heute gibt es wenigsten einen Gedenkstein für die Häftlinge des ehemaligen KZ.