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Christian Kaiser

Silberweide im Auwald

Silberweide und Fruehlings Vegetation im geschuetzten Suesswasser Auenwald NSG Heuckenlock

Wissenwertes und Fotos von Knicks

Sölle; Himmels-Augen in der Landschaft sind Thema in diesem Blog-post. Genau geht es hier um eiszeitlich entstandene Toteislöcher, auch Soll Mehrzahl Sölle genannt. Ich berichte hier wie die kleinen Biotope entstanden sind und warum ich sie wichtig finde und warum ich mich mit ihnen als forschender Fotograf beschäftige.

1. Diese Augen lassen uns in die Vergangenheit zurück blicken. Pollenanalyen haben dazu spannende Daten geliefert.

2. Toteislöcher sind als kleine Feuchtbiotope für Amphibien besonders wertvoll, für Kammmolche und Rotbauchunken (lat. Bombina bombina) werden auch von einheimischem Wild und Vögeln wie Rohrweihe, Kranich, Höckerschwan gern als Rückzugsort angenommen. Rund um die kleinen Wasserflächen wachsen, Binsen, Schilf, Weidengebüsch und Bäume.

3. Biotop-Vernetzung vereinzelter Kleinstbiotope im intensiv beackterten Gelände welches gedüngt und gespritz wird.

Toteislöcher, oder wie man in Norddeutschland sagt; „der Soll, die Sölle“ können wir manchmal in der Nähe von Dörfern, Straßen und Städten entdecken. Nur in Gebieten, die einst, vor langer Zeit ca. 12.000 Jahren von Gletschern geformt wurden, wie die Grund- oder Endmoränen, in Schleswig-Holstein, dem östlichen Hügelland, Mecklenburg-Vorpommern hier sagte man Himmels-Augen und Brandenburg, hier im Land von Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg werden die Eislöcherheute noch Pfuhl genannt.

Sölle, die in der hügeligen Landschaft nahe der Ostseeküste ziemlich grob betrachtet zwischen der Elbe als Begrenzung im Süden und der Oder im Osten bis heute erhalten geblieben sind. Ihr Alter kann auf ca. 12.000 Jahre geschätzt werden.

Bist du, sind Sie neugierig geworden? Dann folge den Fotos beim scrollen nach unten dazwischen sind Textblöcke unter den Luftbildern zu lesen, die ich 2021 aus dem Flugzeug entdeckt und aufgenommen habe und neuerdings mittels Drohnenfotos dokumentiere.

Dieser Text geht unter den Bildern weiter. Die Idee hatten Simone Thürnau (Geo-PM) und Dr. Johannes Gothe, Stralsund.

Dead ice hole in the Fields
Toteisloch, auch Soll oder Soell in Kulturlandschaft gilt als geschuetzter Landschaftsteil (Schleswig-Holstein)
Dead ice hole with trees
eiszeitliche Relikte in der Agrarlandschaft mit Toteisloch, auch Soll genannt (Schleswig-Holstein)
Dead ice hole
Toteisloch, auch Soll in Kulturlandschaft in der Nähe eines Knicks. Beides sind geschuetzte Landschaftsdetails (Schleswwig-Holstein)
Dead ice hole near Baltic Sea
wasserführendes Toteisloch, auch Soll oder Soell in Kulturlandschaft an der Ostseeküste, (Schleswig-Holstein) Steilufer bei Eckernförde
Dead ice hole or kettle hole
wasserführendes Toteisloch, auch Soll oder Soell in intensiv genutzter Kulturlandschaft blühendes Rapsfeld (Schleswig-Holstein)
Dead ice hole
Toteisloch, auch Soll oder Soell in Kulturlandschaft gilt als geschuetzter Landschaftsdetail (Schleswig-Holstein)

Sölle oder Pfuhle (sagt in Brandenburg) sind geologische Relikte, es sind Zeugen einer vor 12000 Jahren zu Ende gegangenen (Weichsel-) Eiszeit. Stellt euch das folgende Szenerario einmal vor: Nach dem vor langer Zeit die mehr als tausend Meter in die Höhe ragenden mächtigen Gletscher aus Skandinavien nach Norddeutschland vorgerückt waren, kamen die Gletscher hier in Hamburg zum Stillstand. Durch die Wärme eines früheren Klimawandels brachen von den Rändern der Gletscher viele große Eisbrocken ab, sogenanntes „totes Eis“, weil es sich nicht mehr fortbewegte. Durch das enorm hohe Eigengewicht bohrte sich das Eis-Keile wie ein Bohrer tief in die weiche Erdoberfläche ein. Sand- und Geröll deckten das Eis zu, und schützten es jahrelang vor der Wärme der Sonnenstrahlung. Starke Stürme und WInd trockeneten den Sand und trugen ihn fort. In Bodensenken sammelte sich Schmelzwasser, das nicht durch die undurchlässigen Ton-Lehm-Schichten versickern konnte.

Durch starke Windbewegungen entstanden Dünen und Sander im Binnenland. ( Holmer Sandberge, Boberger Düne, Besenhorster Sandberge, Düne bei Kaarßen im Mecklenburgischen Elbetal)

So entstanden viele zum Teil miteinander verbundene Senken im Boden. Schmelzwasserseen und Teiche entstanden so. Unter dem Soll liegt eine wasserundurchlässige Tonschicht. Darin sammelte sich Schmelzwasser, Schnee und Regenwasser. Heute liegen diese Bodensenken in denen sich immer wieder Wasser sammelt oft mitten im Feld, deshalb werden sie auch Ackersoll genannt. Im östlichen Hügelland von Schleswig-Holstein liegen viele hundert – möglicherweise tausende Augen in der Landschaft, in Mecklenburg-Vorpommern wurden aktuell sogar 37.000 Sölle gezählt.

Biologisch sind Sölle sehr wertvolle zeitweise wassergefüllte Kleinstbiotope. Für die Artenvielfalt, besonders für Amphibien, bodenbrütende Vögel und Insekten Zufluchtsort. Da Sölle keine Verbindung unter einander besitzen, auch keine Verbindung zum Grundwasser haben, sind sie isoliert. Eine Vernetzung der Biotope ist eine schwer lösbare Aufgabe, zumal durch Entwässerung (in Ostdeutschland Melioration) genannt, das meiste Wasser über Rohre in Gräben und Flüsse abgeleitet wird. Eine spannende Frage; Wie könnten sie in einen Biotopverbund eingebunden werden? Wie sollen die Bauern für ihren zeitlichen Mehraufwand bei der Bodenbearbeitung – am besten aber durch eine Pufferzone um das Soll entschädigt werden? Vielleicht könnten Prämien an die die betroffenen Landwirte gezahlt werden, so sie Bereitschaft zeigen auf jegliche Eingriffe wie Pflügen, Düngen, vor allem auf EInsatz von Pflanzenschutzmittel zu verzichten.

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